Stimmung so gut wie seit mehr als 20 Jahren nicht mehr
10.05.2012
Das Berliner Handwerk befindet sich weiterhin in einem stabilen Aufwärtstrend.
Einer Umfrage der Handwerkskammer Berlin zufolge stieg der Geschäftsklimaindex auf 113 Punkte und lag damit neun Punkte über dem Vorjahreswert. „Das ist der beste Frühjahrswert seit mehr als 20 Jahren“, so der Präsident der Handwerkskammer Berlin, Stephan Schwarz, bei der Vorstellung des Konjunkturberichts Frühjahr 2012 der Handwerkskammer Berlin.Insgesamt 34 Prozent der Betriebe bezeichneten ihre aktuellen Geschäftsergebnisse als gut, 48 Prozent waren zufrieden und lediglich 18 Prozent berichteten von schlechten Ergebnissen. Damit überwiegen die positiven Urteile die schlechten mit 16 Punkten. Vor zwei Jahren lag dieser Saldo noch mit zwölf Punkten im Minus, ein Jahr später bereits mit sechs Punkten im Plus. „Dies ist ein deutliches Zeichen für die Robustheit dieses Aufwärtstrends“, sagte Schwarz.
Auch dem kommenden Halbjahr sehen die Berliner Handwerksbetriebe sehr optimistisch entgegen und gehen mehrheitlich davon aus, dass sich die gute konjunkturelle Lage weiterhin fortsetzen wird: Rund ein Viertel der Betriebe geht von einer Verbesserung der Geschäftslage aus, keine Veränderungen erwarten 62 Prozent der Betriebe, nur 14 Prozent gehen von schlechteren Geschäften aus.
Die Auftragsbücher der Betriebe sind ebenfalls gut gefüllt. 26 Prozent berichten über eine gestiegene Nachfrage, bei 52 Prozent zeigt sich die Auftragslage unverändert und bei lediglich 22 Prozent hat die Nachfrage nachgelassen. Die Auftragsreserven betragen über alle Branchen betrachtet 7,6 Wochen, die Betriebskapazitäten sind zu 80 Prozent ausgelastet. Für die kommenden sechs Monate gehen die Betriebe mehrheitlich davon aus, dass sie mit einer steigenden Nachfrage planen können.
Um diesen positiven Trend zu verstetigen, forderte Präsident Stephan Schwarz den Berliner Senat auf, geplante Projekte wie beispielsweise das Humboldt-Forum und die A 100 zügig umzusetzen. Darüber hinaus müssten weiterhin bürokratische Hürden abgebaut werden. „Die kurzfristige Einführung des Handwerker-Parkausweises wäre hierfür ein Meilenstein“, so Schwarz.
„Die guten Konjunkturzahlen spiegeln sich auch auf dem handwerklichen Beschäftigungsmarkt wider“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Berlin, Jürgen Wittke. „In nahezu allen Branchen war die Zahl der Betriebe, die neues Personal eingestellt hat, größer als die Zahl der Betriebe, die Personal entlassen mussten“, so Wittke weiter.
Dieser positive Trend wird anhalten: Im Berliner Handwerk ist ein großer Personalbedarf vorhanden. Mehr als ein Viertel der Betriebe plant, in den kommenden Monaten neues Personal einzustellen, 65 Prozent werden ihren Personalbestand halten und lediglich acht Prozent gehen davon aus, dass sie Personal entlassen müssen.
„Ende März 2012 meldeten 28 Prozent der Betriebe offene Stellen, von diesen Betrieben sucht jeder zweite sowohl Auszubildende als auch Gesellinnen bzw. Gesellen“, so Wittke. Diesem Fachkräftemangel könne nur dann effektiv entgegengewirkt werden, wenn sich die Arbeitsmarktpolitik auf den ersten Arbeitsmarkt konzentriere. „Nur so ist die unabdingbare Betriebsnähe gewährleistet. Der stärkeren Ausrichtung der Arbeitsmarktpolitik des Senats auf echte Jobs im ersten Arbeitsmarkt sehen wir deshalb gespannt entgegen“, sagte Wittke.
Die Zahl der Berliner Handwerksbetriebe ist seit vier Jahren erstmals wieder gestiegen, und zwar um 330 auf nunmehr 31.035 Betriebe. Auch aus dem Ausbildungsbereich vermeldet die Handwerkskammer Berlin Positives: Die Zahl der neuen betrieblichen Ausbildungsverträge konnte von 3.512 auf 3.620 gesteigert werden. „Dabei haben wir festgestellt, dass die Zahl der Abiturienten in den vergangenen fünf Jahren kontinuierlich gestiegen ist. Hatten im Jahr 2007 noch 12,4 Prozent der Azubis ihr Abitur in der Tasche, waren es 2011 insgesamt 15,8 Prozent“, sagte Wittke. Dies bedeute freilich nicht, dass die Berliner Handwerksbetriebe nur noch an Abiturienten interessiert seien. „Motivierte junge Menschen werden im Handwerk immer ihren Platz finden“, so Wittke.
Zur Gründungstätigkeit im Berliner Handwerk bemerkte Wittke, dass sich die Handwerkskammer in Gesprächen mit dem neuen Senat vehement dafür eingesetzt hätte, die Meistergründungsprämie in vollem Umfang beizubehalten. „Dieses sehr effektive und auch preiswerte Förderinstrument hat sich seit mehr als 20 Jahren bewährt. Im Jahr 2011 ist die Nachfrage nach der Meistergründungsprämie deutlich angestiegen – von 85 Anträgen im Jahr 2010 auf 116 Anträge im vergangenen Jahr. Wenn man bedenkt, dass jährlich knapp 500 Personen die Meisterprüfung ablegen, wird deutlich, dass der Meistergründungsprämie ein großer Stellenwert zukommt“, so Wittke.
Quelle: Pressemitteilung Handwerkskammer Berlin





