Schicke Location für Hochschul-Startups

07.12.2011

Das Charlottenburger Gründerzentrum CHIC beherbergt bereits 20 Jung-Unternehmen

Wo einst Versicherer das Risiko finanziell im Griff zu halten suchten, dort ist nun Wagnis angesagt. In der ehemaligen Berlin-Dependance des Versicherungskonzerns Gerling in Charlottenburg  ziehen jetzt die Existenzgründer ein: seit dem Frühjahr hat das CHIC - eine schicke Abkürzung für das „Charlottenburger Innovations Centrum" - seine Tore für Startups geöffnet. Knapp 20 Jung-Unternehmen haben im Gründerzentrum in direkter Nähe zur Technischen Universität und der Universität der Künste schon Räume bezogen. Es werden noch mehr, denn im übernächsten Jahr wird der zweite Umbau-Abschnitt eröffnet.
Für die beiden Hochschulen im Herzen Charlottenburgs - mit ihren auf den ersten Blick quer liegenden Profilen, die eine technisch ausgerichtet, die andere künstlerisch-ästhetisch - übernimmt das CHIC die Funktion einen Inkubators. Beide Unis sollen und wollen mehr Startups produzieren und habe dazu im Lehr- und Forschungsbetrieb schon Maßnahmen ergriffen, wie die Gründerwerkstatt auf dem Campus der TU. Dennoch ist es das Bestreben, den gründungswilligen Absolventen nicht sogleich die Nabelschul zur Alma Mater zu durchtrennen, sondern sie bei ihren ersten wirtschaftlichen Schritten noch ein wenig in der Nähe zu behalten. Gerade technisch orientierte Unternehmen profitieren davon, wenn sie auch weiterhin teilweise die wissenschaftlichen Labors mitbenutzen können. Aber auch Kreativ-Unternehmen bekommen besondere Inspirationen aus dem Intelligenz-Knoten rund um den Ernst-Reuter-Platz.
Dennoch ist das CHIC kein direkter Ableger der Hochschulen, sondern wird einem anerkannten und bewährten Betreiber für Gründerzentren in Berlin gemanagt: der IZBM, einer Tochtereinrichtung der WISTA-Management GmbH mit Sitz in Adlershof. Die IZBM betreibt auch die Gründerzentren in Adlershof (UGZ, OWZ) und in Wedding (BIG).
An diese Ursprünge fühlt sich auch Rolf Friedrichsdorf erinnert, einer der Zentrums-Manager des CHIC. „Unser Projekt hat etwas von BIG-2", bemerkt der erfahrene Gründungs-Betreuer und spielt auf das legendäre Berliner Innovations- und Gründerzentrum (BIG) an. Auf dem Weddinger Fabrikareal der pleite gegangenen AEG hatte die TU Berlin 1983, zunächst noch bescheiden  in einem Dachgeschoss, als erste deutsche Universität eine eigene Einrichtung für Firmengründer aus ihrer Hochschule eröffnet. Damals ein Quantensprung im Transfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Jetzt kommt die Idee zu ihrer Mutter in neuer Form zurück. „Allerdings sind wir nicht festgelegt auf bestimmte Technologien", fügt Friedrichsdorf hinzu. Überdies will man auch gerne Spinn-offs aus anderen Forschungsschmieden des Quartiers aufnehmen, wie aus dem Heinrich-Hertz-Institut der Fraunhofer-Gesellschaft, den T-Labs von Telekom und TU, oder auch aus der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt.

Dieser Wissenschaftsmix war es denn auch, der den Haupttreiber für das Entstehen des neuen Gründerzentrums bildete. Drei Jahre lang hatte ein Quartiers-Projekt (NAVI-BC) untersucht, wie sich das wissenschaftliche Potenzial in Charlottenburg nach dem Muster von Adlershof oder Buch besser „clustern" und mit dauerhaft synergetischen Kooperationsstrukturen untersetzen ließe. Schnell war klar, vor allem mit Blick in Richtung wirtschaftliche Wertschöpfung, dass es ohne eine größere Gründerfazilität in diesem Bereich nicht gehen würde.
Zusammen mit Senatswirtschaftsverwaltung und Bezirk entwickelte die IZBM daraufhin das CHIC-Konzept und begann mit dem Bretterbohren für Fördergelder. Schließlich kommt das  Gesamtprojekt mit einer Fläche von 5.500 m² auf einen Investitionswert von 21,5 Mio. Euro.
Im Oktober 2010 erhielt die Innovations-Zentrum Management GmbH (IZBM) dann den "Vorläufigen Teil-Zuwendungsbescheid" in Höhe von knapp neun Millionen Euro zum Kauf und der ersten Ausbaustufe des ehemaligen Gerling-Hauses an der Charlottenburger Marie-Elisabeth-Lüders-Straße 1. In diesem ersten Bauabschnitt wurden rund 1.500 m² Nutzfläche für max. 30 Unternehmensgründungen vor allem aus Technischer Universität Berlin (TU) und Universität der Künste Berlin (UdK Berlin) hergerichtet. Der 2. Bauabschnitt, die Erweiterung im Bauteil Bismarckstraße 10-12, wurde inzwischen ebenfalls in Angriff genommen.

Weitere Informationen finden Interessierte auch unter: www.campus-charlottenburg.org

Quelle: innomonitor